Nachhaltig und bewusst reisen – ist das möglich?

Es ist bestimmt nicht leicht in der bunten Welt der Kataloge und Angebote besonders umwelt- und sozialverträgliche Reiseangebote ausfindig zu machen, oder sogar „bessere“ von „schlechteren“ zu unterscheiden. Worauf es wirklich ankommt, das haben wir versucht an den verschiedenen Stationen einer Reise festzumachen.

Vorbereitung

Richtige Planung ist Voraussetzung für bewusstes Reisen. Dazu gehören vielfältige Infos über Kultur, Gesellschaft, Umwelt und Politik im jeweiligen Land. Natürlich hat auch die Qualität des Hotels und des Reiseveranstalters seine Bedeutung. Zeigen diese ökologisches oder soziales Engagement, dann fährt man besser.

An- und Abreise

Die Umweltbelastung kann durch die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gegenüber Auto oder Flugzeug deutlich verringert werden. Engagierte Veranstalter bieten daher Alternativen zur Nutzung des eigenen Autos an. Fliegen ist die energieintensivste Art zu Reisen. Bei einem Urlaubsflug von Mallorca nach Teneriffa wird das Klima so geschädigt wie durch ein Jahr Autofahren - selbst wenn für das Flugzeug ein günstiger Verbrauch von 4 Litern pro 100 Personenkilometern und für den Pkw von 6,5 Litern Benzin pro 100 Fahrzeugkilometer angesetzt werden.

  Hin und Rückflug in km Treibstoff in Liter pro Person CO2 pro Person in kg (a) Klimafaktor 3 für Flugverkehr
Flug Mallorca (b) 2.600 104 328 984
Flug Teneriffa (c) 6.600 198 624 1.872
Auto Jahres-km (d) 11.000 550 1.282 1.282

a) In Co2- äquivalent
Treibstoffverbrauch: 4 Liter pro 100 Personen- km; hohe Auslastung
b) Treibstoffverbrauch: 3 Liter pro 100 Personen- km; hohe Auslastung
c) Benzinverbrauch: 6,5 Liter pro 100 Fahrzeug-km;
d) Auslastung: 1,3 Personen pro Fahrzeug


Quelle: Verkehrsclub Deutschland (VCD)

Ist ein Flug unumgänglich, dann ist ein vertretbares Verhältnis von Urlaubsdauer und Entfernung zum Reiseziel angebracht. Zum Beispiel: keine Flüge unter 700 km, ab 700 km mindestens acht Tage Aufenthalt und ab 2.000 km mindestens 15 Tage Aufenthalt.

Tipp: Reisende können mit einem Beitrag für Klimaschutzprojekte die Klimawirkung des Flugs kompensieren. Besonders umweltbewusste Reiseunternehmen bieten die Möglichkeit einen entfernungsabhängigen Preisaufschlag zu zahlen.

Reiseziel

Umwelt- und Sozialverträglichkeit sollten bei der Auswahl des Reiseziels eine Rolle spielen. Urlaub muss nicht automatisch ins Ausland führen, auch vor allem im Inland oder in der Nähe näheren Umgebung gibt es Urlaubsregionen, die umweltfreundlich zu erreichen sind. Reisen in kulturell oder ökologisch sensible Regionen erfordern zusätzliche Informationen durch den Reiseveranstalter und ausgebildetedurch ausgebildete Reiseleiter. Zum bewussten Reisen in ferne Länder gehört auch, dass die Kunden über die Situation von Kindern und Frauen informiert werden und Hinweise gegeben werden, was Reisende gegen Prostitution und Ausbeutung in Touristenzentren tun können.

Unterkunft

Von einer bewusst bewählten Unterkunft hat auch die lokale Bevölkerung etwas. Faire Bedingungen und gerechte Löhne sollten dabei gewährleistet sein. Eine umweltbewusste Betriebsführung verringert die ökologischen Folgen des Tourismus beträchtlich, so können beispielsweise Abfall vermieden oder getrennt und vor Ort Energie und Wasser gespart werden. Weiters Zudem können die Gäste über korrektes UmweltverhaltenGäste , überzu kulturellen Besonderheiten und zum über das Angebot der regionalenr öffentlichenr Verkehrsmittel informiert werden. Wichtig ist auch die Lage außerhalb von Schutzgebieten und eine angepasste Architektur.ist auch, dass sich die Unterkunft außerhalb von Schutzgebieten befindet und dass die Architektur angemessen ist.

Verpflegung

Regionale Lebensmittel sind vielfältig und haben viele Vorzüge. Frisches, saisonsgerechtessaisongerechtes Gemüse, Produkte aus ökologischer Landwirtwirtschaft, regionale Speisen und Getränke, alternativ auch als Vollwert- bzw. vegetarische Variante angeboten – auf all das greift die bewusste Küche zurück. Das schmeckt nicht nur, sondern schont auch die Umwelt und schafft Arbeitsplätze in der Region.

Mobilität vor Ort

Die eigenen Füße und das Rad sind auch im Urlaub die umweltfreundlichsten Fortbewegungsmittel. Autofahren und alle möglichen motorgetriebenen Freizeitaktivitäten sowie Flüge belasten dagegen in erheblichem Ausmaße die Umwelt und das Klima. Bus, Bahn und Taxi sollten zur Mobilität ausreichen. Vorteilhaft sind auch die vielerorts angebotenen Mobilitätskarten oder Paketlösungen, die die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und gleichzeitig den Zugang zu Sehenswürdigkeiten ermöglichen.

Aktivitäten

Heli- Skiing in den Bergen, Rundflüge im Himalaya oder RalleyRallye-Touren im Amazonasdschungel – Aktionsurlaube in spektakulärer Umgebung sind gefragt. Ist eine Region einmal für den Tourismus erschlossen, zerstören die Besucher unter Umständen genau das, was sie eigentlich genießen wollen – die ursprüngliche Landschaft mit ihren kulturellen Besonderheiten. Verantwortungsvolle Reiseveranstalter bieten umweltschonende Aktivitäten an und arbeiten mit der einheimischen Bevölkerung zusammen.

Nachbereitung

Die Befragung der Reisegäste gehört heute zu einer Reise. Umweltaspekte sollten dabei nicht ausgeklammert werden. Von bleibendem Wert ist es zudemNachhaltigkeit bedeutet auch, , wdassenn aus den Tourismus-Einnahmen soziale oder ökologische Projekte vor Ort gefördert werden, etwa Schulen, Krankenhäuser oder Schutzgebiete.

Kann „All inclusive“ nachhaltig sein?

Die Meinungen über die Nachhaltigkeit von „All Inclusive“ (engl. alles inbegriffen) Reisen sind geteilt. Bei solchen Reisen wird pauschal und im Voraus eine Summe Geld bezahlt, vor Ort kann der Gast dann seine Brieftasche getrost im Zimmer lassen, da Essen, Getränke und auch Animation vom Hotel „kostenlos“ bereitgestellt werden. Der Gast soll sich ganz der Erholung widmen können.

Im Massentourismus gelten die im „All Inclusive“ Tourismus üblichen, großen Hotelanlagen als ökologisch vorteilhaft, da sie in aller Regel weniger Platz, Energie und Wasser benötigen, als kleine Ferienhäuschen. Diese Vorteile werden jedoch zunichte gemacht, wenn das Hotel einen großen Golfplatz, einen tropischen Garten in der Wüste, oder ähnliche wasser- und energieverschlingende Anlagen betreibt. Auch die gezielte Lenkung von Besucherströmen kann ökologische Vorteile haben. Die ökonomische und soziale Wirkung von „All Inclusive“ Angeboten birgt jedoch vor allem Nachteile für die Bevölkerung vor Ort. Im Durchschnitt gehen nur rund 20% der Verdienste eines „All Inclusive“ Pakets direkt an die Gastgebergemeinde. Ungefähr 80% der Einnahmen werden von den Transport- und Tourismusunternehmen eingenommen, die meist außerhalb des Urlaubslandes ihren Sitz haben.

Da sich „All Inclusive“ Reisen meist innerhalb eines Hotels abspielen, hat der Gast nur ausnahmsweise Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Eine Reise ist eine Möglichkeit die Kultur und die Bräuche eines fremden Landes kennen zu lernen. Viele Ferienzentren bieten den Urlaubern aber vom Essen über die Einrichtung bis zur Unterhaltung ähnliche Tätigkeiten an wie zu Hause. Auf diese Weise riskiert der Urlauber viele Erfahrungen von vorne herein auszuschließen: ein einheimisches Gericht in einem Restaurant vor Ort zu essen, die Freiheit auf eigene Faust eine Ortschaft zu erkunden, die Einwohner des Landes kennen zu lernen. Diese Erlebnisse und viele mehr wird ein Tourist der „All inclusive“ reist, voraussichtlich verpassen.

Informationsmaterial

Im Internet, in Büchern und in spezialisierten Reiseführern findet man viele Informationen über nachhaltiges Reisen. In Italien engagiert sich die “Associazione Italiana Turismo Responsabile“ (Seite auf italienisch) für Fremdenverkehr, der für beide Seiten, also für die Urlauber und die Gastgeberregion vorteilhaft ist. Öko Fair, das Portal des Öko- fairen Handels, bietet viele Vorschläge, wie man seinen Urlaub bewusster und zugleich erlebnisreicher gestalten kann. Der Reisekompass gibt uns einen kurzen Überblick über die ökologische, wirtschaftliche und soziale Qualität einer Reise.

Geprüfte Nachhaltigkeit: die Umweltzeichen

Über 30 Umweltzeichen (engl. label) kennzeichnen in Europa Gastgeberbetriebe die umweltverträglichen Tourismus anbieten. Welche sind darunter aber wirklich nützlich? Das Portal www.label-online.de hat folgende Zeichen als empfehlenswert eingestuft:

  • Viabono ist die bekannteste Dachmarke für umweltorientierten Tourismus in Deutschland. Voraussetzung für die Vergabe dieses labels sind umweltgerechte Betriebsführung und ein besonders sparsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
  • Das Österreichische Umweltzeichen ist eine Auszeichnung für Tourismusbetriebe in Österreich. Einmal jährlich werden Hotels und Campingplätze von einer unabhängigen, staatlich anerkannten Kommission auf Kriterien wie den sparsamen Umgang mit Energie und die Verwendung regionaler Lebensmittel geprüft.
  • Umweltfreundliche Hotelbetriebe in der Schweiz werden mit dem Steinbock-Label gekennzeichnet. Bei der Zertifizierung werden Energie- und Wasserverbrauch, Abfallaufkommen, sowie die Einhaltung von Umweltstandards berücksichtigt.
  • In den beiden italienischen Regionen Emilia Romagna und den Marken tragen 135 Hotels und Campingplätze das Siegel der Legambiente Turismo, einem Zeichen für Betriebe mit regionaler Küche, Bioprodukten und Fahrradverleih.
  • Europaweit gibt es 250 Betriebe die sich den Grünen Schlüssel verdient haben. Die Kriterien für die Vergabe dieses Umweltsiegels umfassen Umweltmanagement, Kommunikation und Ausbildung, sowie Aspekte technischen Umweltschutzes.
  • Die Euro-Blume oder das Europäische Umweltzeichen ist das label der Europäischen Kommission für umweltfreundliche Beherbergungsbetriebe und Campingplätze. Im Mittelpunkt der über 80 Kriterien stehen Maßnahmen zur umweltgerechten Energieversorgung, sowie zur Abfallvermeidung, Wassereinsparung und Umweltinformation.
  • Die Blaue Flagge wird jeweils für ein Jahr an vorbildliche Sportboothäfen und Badestellen vergeben. Sie kennzeichnet Gemeinden und Vereine, die sich für gute Wasserqualität, Umweltkommunikation und Umweltmanagement auszeichnen.

Veröffentlicht am: 16.10.2006
Erarbeitet im Rahmen des Projekts "NEPIM"