Finanzkrise

Verluste bei Lebensversicherungen?


Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hat schon vor mehr als 10 Jahren vor der Geldanlage in Lebensversicherungen gewarnt: „Wir können unter normalen Bedingungen den Abschluss einer Kapitallebensversicherung nicht empfehlen.“
Der Finanz- und Versicherungsmarkt ist weitgehend ungeregelt und intransparent. Die VerbraucherInnen sind entsprechend uninformiert. Diese Situation wurde von vielen Verkäufern von Finanz- und Versicherungsprodukten ausgenutzt, um unter dem Deckmantel „Versicherung“ mit falschen und überteuerten Versicherungen an möglichst viel Geld der Bürger heranzukommen. Dass sie dabei ihre wesentliche Aufgabe, den Versicherungsbedarf der Bürger zu decken, nicht erfüllen, interessiert die Manager und die Vermittler wenig. So sind viele falsch versichert. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte kann den schon seit geraumer Zeit angebotenen Versicherungscheck der VZS machen.


Die aktuelle Finanzkrise hat auch vor Lebensversicherungen nicht halt gemacht. Auf so manchen Konsument und manche Konsumentin, die ihr Erspartes in einer Lebensversicherungspolizze angelegt hatten und sicher glaubten, könnte ein böses Erwachen warten.

Der Grund dafür ist, dass in den letzten Jahren herkömmliche Lebensversicherungen mehr und mehr durch richtiggehende Finanzprodukte ersetzt wurden. Man nennt sie zwar immer noch Lebensversicherungen, sie sind aber de facto reine Geldanlagen: die Rede ist von den sog. „Unit-linked“ und „Index-linked“ Polizzen oder auch fondsgebundene Lebensversicherung genannt.

Eine Unit linked Polizze ist an den Wert eines Investmentfonds gebunden. Die eingezahlten Prämien werden für den Kauf von Anteilen der im Vertrag fest gesetzten internen oder externen Fonds verwendet. (Geldmarkt–, Anleihen-, Misch- oder Aktienfond). Eine Index linked Polizze ist an die Entwicklung eines oder mehrerer Aktienindizes gebunden.

Da beide Produkte sehr stark an den Finanzmarkt gekoppelt sind, stellt sich nun die Frage, welche Auswirkungen die Finanzkrise auf diese Polizzen hatte, und wie die weitere Entwicklung diese Produkte beeinflussen wird.

Jenen KonsumentInnen, die Lebensversicherungspolizzen unterzeichnet haben, wäre anzuraten, sich über den derzeitigen Stand der Dinge bei ihrer Geldanlage zu informieren. Dies kann mit einem Schreiben an die eigene Versicherungsgesellschaft oder Bankinstitut erledigt werden. Wichtig sind vor allem der aktuelle Wert der Investition bzw. der Quoten, der Rückkaufwert bei vorzeitigem Ausstieg, die Summe der eingezahlten Prämien sowie die jährlich anfallenden Kosten. Auf der Homepage der Verbraucherzentrale steht ein Musterbrief zur Verfügung.

Leider ahnen immer noch viele nichts von ihren hohen finanziellen Verlusten. Diese müssen zuallererst festgestellt werden und dann hilft auch die Resignation nicht weiter. Das bringt meistens nur noch mehr Verluste. Wir können den KonsumentInnen nur raten alles zu tun, um diese Verluste in Grenzen zu halten. Dafür ist zu wissen, dass die Kapitallebensversicherungen neben den vielen versteckten Nachteilen einen Vorteil haben: man kann mit ihnen so ziemlich alles machen was man will – sie jederzeit kündigen, aufheben, verändern, herabsetzen, verkürzen, einschränken, beitragfrei weiterlaufen lassen. Finanzielle Verluste sollten auch vor einer Kündigung oder Beitragsfreistellung nicht zurückhalten. Denn das so oder so verlorene Geld kann auch nicht immer zurückgeholt werden nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.


Link Musterbrief


Presse-Information, 28.10.2008